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Montag, 14. Mai 2012

Das Rezept für ein Wort


Eine spannende Frage der Linguistik ist: „Wie entsteht ein Wort?“
Wollen wir der Frage auf den Grund gehen, machen wir das in der Ebene der Morphologie, die sich mit Wörtern, ihren Bestandteilen und ihrer Bildung auseinandersetzt.

Stellen Sie sich nun einmal ein ganz simples Wort vor!
Wenn ein Wort ganz simpel sein soll, dann liegt es nahe, ein Nomen zu nehmen und zwar eines, das einen konkreten Gegenstand beschreibt. So ein Wort kann man sich sofort bildlich vorstellen und wir müssen unser Gehirn erst einmal nicht mit den Gedanken an Abstrakta belasten.
Ihr Wort wird nun wahrscheinlich in der Einzahl stehen – so simpel wie möglich eben.
So ein Wort könnte nun „Baum“ oder „Haus“ oder „Berg“ sein.
All diese Wörter können wir nicht in einzelne Wort-Bestandteile zertrennen, in unserer morphologischen Ebene sind diese Elemente also Grundbausteine, die wir Morpheme nennen. Und Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Teile in einer Sprache, was an den Beispielen gut zu erkennen ist. Das „Baum“ eine Bedeutung trägt, dürfte klar sein, genauso auch die Tatsache, dass eine kleinere Einheit von Baum, also zum Beispiel „b“ keine Bedeutung trägt, sehr wohl aber bedeutungsunterscheidend ist. Würden wir es z. B. durch „r“ ersetzen, erhielten wir eine andere Bedeutung: „ Raum“.
Im Moment entscheidend sind aber gerade nur die bedeutungstragenden Bausteine. Mit denen können wir jetzt neue Wörter „bauen“: Baum-Haus zum Beispiel.
Diese Art zu „bauen“ nennen wir Komposition, aber es gibt noch einige andere Arten zu bauen.
Zum Beispiel können wir ein anderes Morphem, welches keine lexikalische Bedeutung besitzt und ganz unscheinbar so aussieht:  „-e“, an das Morphem „Berg“ anbauen und schon haben wir nicht nur einen Berg, sondern mehrere „Berg-e“! Wer mir nicht glaubt, dass auch „-e“ ein Morphem ist, dem kann ich sagen, dass es doch bedeutungstragend ist, also eine weitere Bedeutungskomponente an die andere Bedeutungskomponente (Berg) anbaut.

Was nun deutlich geworden sein müsste, ist, dass ein Wort sowohl aus einem Morphem („Berg“), als auch aus mehreren Morphemen bestehen kann („Berge“).
Die deutsche Sprache kann quasi unendlich viele Morpheme aneinanderreihen und herauskommen können Wörter wie: 

Bereitschaftsdienstableisterinnentagung
Entdecken Sie auch zwölf Morpheme?

Montag, 7. Mai 2012

Sprache - ihre Ebenen und deren Bausteine


Sprache ist multidimensional. Um sie beschreiben zu können, müssen wir also in mehreren Ebenen denken.


Gehen wir also zuerst einmal ganz oberflächlich an die Sprache heran. Angenommen wir nehmen eine für uns fremde Sprache war, so wird all das, was wir rein physikalisch wahrnehmen, von der Phonetik beschrieben. Die Bausteine der Phonetik sind also Phone, also Laute, aus denen sich Sprache zusammensetzt. Phonetik befasst sich damit, wie Laute entstehen, wie wir sie klassifizieren – also in Gruppen einteilen können, wie die Laute übertragen werden und wie wir sie als Signal aufnehmen. 

Wollen wir innerhalb der lautlichen Ebene unter die Oberfläche schauen, so befassen wir uns damit, in welcher Umgebung verschiedene Laute stehen, wie Laute sich verändern und sich beeinflussen und zum Beispiel wie eine Silbe aufgebaut ist. Anstelle von Phonen, die also oberflächlich physikalisch wahrnehmbare Laute sind, beschäftigt sich diese nächste Ebene, die Phonologie, mit Phonemen – abstrakte bedeutungsunterscheidende Bausteine. So kann in einer Sprache zum Beispiel das Phonem /r/ durch verschiedene r-Laute (Phone) produziert werden. Wir können es durch ein Zungenschlag-r [r], ein am Zäpfchen gerolltes [ʀ] oder ein dort „geriebenes“-r [ʁ] realisieren ohne eine bedeutungsunterscheidende Wirkung zu haben. 

Aus den Phonemen werden aber nicht gleich Wörter gemacht, denn in der nächsten Ebene, der Morphologie, beschäftigen wir uns nicht direkt mit Wörtern, sondern erst einmal mit meist kleineren Bausteinen, den Morphemen. Wenn wir uns nämlich zum Beispiel deutsche Wörter einmal anschauen, sind darin oft mehrere bedeutungstragende Teile kombiniert. Zum Beispiel das Wort „Volkslieder“ enthält vier bedeutungstragende Bausteine (Morpheme). Das offensichtlichste ist hier wohl „Lied“. Zwischen Volkslieder und Lied ist aber ein Bedeutungsunterschied, der daher rührt, dass durch andere Morpheme, wie zum Beispiel „Volk“, das Fugenmorphem „-s-“ und das „-er“, welches die Mehrzahl anzeigt, die Bedeutung verändert wird.  Die Morphologie beschäftigt sich also damit, was Morpheme sind, wie sie klassifiziert werden können und wie aus ihnen Wörter werden.

Wie dann aus Morphemen und Wörtern erst Phrasen und dann Sätze werden, erklärt die Syntax. Sie erforscht Regeln zur Bildung von Sätzen und erklärt dadurch, wie aus der Gesamtheit der Einzelbedeutungen von Wörtern komplexe Gedanken in einem Satz werden können.  Phrasen sind dabei erste Zusammenfügungen von Wörtern, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ein Wort die anderen regiert, also beeinflusst. So haben wir zum Beispiel in einer Nominalphrase „ein großes Haus“ das Nomen, welches die anderen in Kasus Numerus und Genus beeinflusst. Deshalb können wir auch nicht sagen „eine großen Haus“. 

Eine ganz andere Ebene, die sich nicht mit dem formalen Aufbau von Sprachbausteinen beschäftigt, sondern allgemein mit ihrer Bedeutung, nennt man Semantik.  Sie befasst sich nicht nur mit der Einzelbedeutung, sondern auch, wie sich diese Bedeutung im Satzzusammenhang verändern kann und wie Wörter nur in bestimmten Kontexten Bedeutungen erlangen können. 

Dass die Bedeutung eines Satzes in einer Sprechsituation völlig verändert werden kann, beschreibt die Pragmatik. Ihre Forschungsgegenstände sind also Sprechsituationen und Gespräche, die nach bestimmten Regeln ablaufen müssen, um die Intention des Sprechers auch beim Hörer ankommen zu lassen. So kann die Bedeutung eines Satzes, wenn er in einem bestimmten Zusammenhang gesprochen wird, durch Ironie umgekehrt werden. Wie das funktioniert erklärt die Pragmatik.


Sprache kann also in all diesen Ebenen erforscht werden. Dabei muss aber bedacht werden, dass sie alle Schnittstellen haben. So kann zum Beispiel durch Phonologische Prozesse, wie durch die Satzintonation, die Semantik (also Bedeutung) geändert werden. Also sind diese Ebenen wichtig, um Sprache zu unterteilen und sie gezielt erforschen zu können, doch muss man feststellen, dass Sprache sich nicht wie eine Torte in Stücke teilen lässt, sondern immer auch als Ganzes gesehen werden muss.